Montag, 11. Juli 2011

Freundlichkeit

Freundlichkeit - sie hat sich gewandelt in unserer marktorientierten Welt. Es gilt die Regel: ich gebe was und möchte auch was dafür erhalten. Ein ewiges Tauschgeschäft - sogenannte Ausgeglichenheit. Was uns dabei abhandengekommen ist, ist das Verständnis, dass alles, was ich aussende zu mir zurückkommt. Es hat auch die Tendenz auf seiner Reise noch mehr Energie zu erhalten - es kommt also gestärkt und vergrössert zu mir zurück.

Wir sind so versteift, nicht zu kurz zu kommen, dass wir selber knausrig sind im Geben und so auch nur knausrig empfangen können.

Freundlich sein, deinen Nachbarn grüssen, mit der alten Frau ein Wort wechseln, jemandem die Türe aufhalten - deinen Nächsten wahrzunehmen, ein Lächeln zu verschenken. Sind dies nur einseitige Dienste? Mein Herz ist weit und gesättigt, wenn ich das Leuchten in den Augen meines Gegenübers sehe, weil ich ihm meine Aufmerksamkeit gegeben habe. Bin ich freundlich, werde ich freundlich behandelt - meist unmittelbar - manchmal etwas später.

Dazu die folgende Geschichte:


Ein armer Junge ging von Tür zu Tür um seine Sachen zu verkaufen. Er hatte nur noch einen Franken in der Tasche und war hungrig. Bei der nächsten Türe, die geöffnet wurde, wollte er um etwas Essen bitten. Als ihm eine junge hübsche Frau öffnete, verliess ihn sein Mut und er bat um ein Glas Wasser. Sie dachte, er sehe ein wenig hungrig aus und so brachte sie ihm ein Glas Milch. Er trank es langsam und fragte, wie viel er ihr schulde. "Du schuldest mir nichts" antwortete die Frau. "Meine Mutter hat mich gelehrt, niemals Geld zu nehmen für eine Freundlichkeit". Er bedankte sich von ganzem Herzen.
Als Howard Kelly das Haus verliess fühlte er sich nicht nur körperlich stärker, er hatte auch Vertrauen in Gott und die Menschen gefunden.
Jahre später wurde diese junge Frau schwer krank. Da die Ärzte im Ort nicht mehr weiter wussten, wurde sie zu Spezialisten in die Stadt überwiesen. Dr. Howard Kelly wurde ebenfalls aufgeboten, diesen seltenen Fall zu konsultieren. Als er hörte aus welcher Stadt die Frau käme, leuchteten seine Augen. Er ging sofort durch die Halle zu ihrem Zimmer. In seinem weissen Arztkittel ging er sie besuchen. Er erkannte sie sofort. Nach der Untersuchung beschloss er sein Bestes zu geben, um ihr Leben zu retten.  Es war ein langer Weg und der Kampf gegen die Krankheit wurde gewonnen.
Dr. Kelly bat die Buchhaltung, ihm die Rechnung zur Prüfung vorzulegen. Er schaute sie sich an und ergänzte sie mit einer Notiz. Die Frau erhielt den Umschlag mit der Rechnung in ihr Zimmer. Sie sträubte sich, dieses Kuvert zu öffnen, denn sie wusste, sie würde ihr Leben lang diese Rechnung abstottern müssen. Schliesslich öffnete sie die Rechnung. Eine Notiz am Rande zog ihre ganze Aufmerksamkeit auf sich. Sie las die Worte:
vollständig bezahlt mit einem Glas Milch - gezeichnet Dr. Howard Kelly.

Mit Herz und Licht
Regina

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